Feldarbeit im ruralen Nepal: Reflektion zu Positionalität, Verantwortung und Rollen

Im Februar dieses Jahres trat ich im Rahmen meiner Masterarbeit eine Reise nach Nepal an. Im Gepäck: ein grobes Forschungskonzept, ein paar Adressen, viele Fragezeichen, grosse Vorfreude, aber nur eine vage Vorstellung davon, was mich eigentlich erwarten würde. 

Anjila, Jana
Unterwegs mit meiner Forschungsassistentin Anjila (links) in der Machhapuchhre-Region.

Meine Arbeit befasst sich mit sogenannten Homestays als eine Form von Empowerment von Frauen. In den letzten Jahren hat diese Tourismusart in Nepal enorm an Beliebtheit gewonnen. Vor allem in ländlichen, abgelegenen Gebieten soll die Beherbergung in privaten Haushalten sowohl aus- als auch inländischen Gästen ein besonders authentisches Erlebnis bieten. Mich interessiert hierbei vor allem, was diese Entwicklung für die lokalen Frauen bedeutet. 

  • Wie empfinden sie diese zusätzliche Einkommensmöglichkeit, die in ihrem häuslichen Umfeld angesiedelt ist? 
  • Welche direkten Auswirkungen des neuen Tourismustrends auf ihren Alltag erleben sie? 
  • Wie sieht die Rolle der Männer aus? 
  • Trägt Homestay-Tourismus in dieser Form nachhaltig zum Empowerment von Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft bei? 

Für meine qualitative Studie besuchte ich zehn Dörfer in der Machhapuchhre-Region in den hügeligen Ausläufern des Himalayas nördlich von Pokhara. Dort interviewte ich insgesamt 16 Frauen, die ein Homestay-Business führen, zu ihren Erfahrungen.

Sarah Speck, Co-Betreuerin meiner Masterarbeit, hatte für ihr Dissertationsprojekt im selben Gebiet Feldforschung durchgeführt. Nicht nur konnte ich bereits im Vorfeld von ihrer Verbindung zur Region profitieren, auch ermöglichte es nach meiner Rückkehr einen spannenden Austausch über unsere Felderfahrungen als Frauen in einem kulturell und sprachlich fremden Umfeld. 

Besonders interessant war hierbei die Reflektion über die Zusammenarbeit mit unseren Forschungsassistentinnen, welche uns vor Ort als Dolmetscherinnen und Guides zur Seite standen. Wir beide erlebten diese Arbeitsbeziehung in Bezug auf Hierarchie, Verantwortung und Rollenteilung als überraschend komplex und facettenreich. 

Der Erfolg solcher Forschungsprojekte hängt stark von den Bemühungen der Feldassistentinnen ab, dennoch bleiben ihre Erfahrungen und Meinungen in den schriftlichen Endprodukten oftmals weitgehend ungenannt. Dieser Umstand verdeutlicht Privilegien, welche wir als Forscherinnen aus dem globalen Norden besitzen und regt an, sich näher mit der eigenen Positionalität auseinanderzusetzen. Eine Reflektion über sowohl unsere Rolle als Forschende als auch diejenige der Assistierenden, welche fortwährenden Veränderungen und Anpassungen an den gegenwärtigen Kontext unterliegt, erscheint besonders relevant.

Die neueste Ausgabe der Feministischen GeoRundmail (Nr. 83) steht im Zeichen solch konkreter Erfahrungen aus der Forschungspraxis: Feminist research practice in geography: Snapshots, reflections, concepts. In unserem Beitrag (PDF, 210 KB) berichten wir näher über unsere Erfahrungen mit Feldarbeit in Nepal.