Expedition vom Fenster aus: Wie nimmst du deine Umgebung wahr?

Spielerisch Daten für die Forschung generieren: Gamification ist besonders in Zeiten von COVID-19 ein attraktiver Ansatz. Der Doktorand Manuel Bär möchte wissen, wie Menschen die Landschaft in ihrer unmittelbaren Umgebung wahrnehmen.

Window Expeditions
Window Expeditions: Die erstaunliche Welt beschreiben, welche man vom Fenster oder Balkon aus wahrnimmt.

Was haben der Uetliberg und das Matterhorn gemeinsam? Sie gehören beide zu Landschaften, die sowohl die lokale Bevölkerung wie auch auswärtige Besucherinnen und Besuchern sehr schätzen. Doch wie nehmen die einzelnen Personen diese Landschaften eigentlich wahr und wie stark variiert diese Wahrnehmung zwischen Individuen, Sprach- und Kulturgemeinschaften? Meine Doktorarbeit hat zum Ziel, schriftliche Texte über Landschaften zu sammeln und auszuwerten, um diese Fragen zu erforschen.

Spielerische Ansätze als Datenquelle nutzen

Von traditionellen Methoden wie Fragebögen oder Interviews möchte ich dabei wegkommen und vermehrt spielerische Ansätze - ähnlich etwa wie Pokémon GO - als Datenquelle nutzen. Dazu entwickelte ich ein ortsbezogenes Spiel: Personen bewegen sich durch die reale Welt und haben dabei Spass am spielerischen Wettkampf.

Leider aber haben die aussergewöhnlichen Umstände, ausgelöst durch COVID-19, zu einem abrupten Ende der Testphase des Spiels geführt, da wir die in öffentlichen Räumen verbrachte Zeit minimieren sollten. Anlässlich einer virtuellen Konferenz haben Wissenschaftskollegen*innen und ich nun andere Möglichkeiten diskutiert, um trotz Lockdown, Quarantäne und Selbstisolation Landschaftsbeschriebe von Personen zu sammeln. Daraus hat sich die Idee von Window Expeditions herauskristallisiert - eine Online-Applikation, in der ich Leute bitte, die erstaunliche Welt, welche sie von ihrem Fenster oder Balkon wahrnehmen können, zu beschreiben. Ausserdem lassen sich dort die Beiträge anderer Nutzer*innen durchstöbern. Ich hoffe auch, dass die Applikation das Gefühl der Isolation verringern kann.

Erste Resultate sind vielversprechend: Personen im Alter zwischen 12 und beinahe 80 Jahre machen mit und haben mit Begeisterung dazu beigetragen, eine Karte, welche die Alltagslandschaften der Teilnehmer*innen beschreibt, zu generieren. 

Möchtest du auch teilnehmen? Dann findest du die deutschsprachige Version hier.