Ein Winter beim Lawinenwarndienst

Im Auftrag des Bundes informiert das SLF über die aktuelle Schnee- und Lawinensituation. Als Praktikantin habe ich das Team beim Erstellen von diversen Produkten, bei der Kommunikation und bei Feldarbeiten unterstützt. Der Fokus meines Praktikums lag in der Betreuung der Unfall- und Schaden­lawinen­datenbank.

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Ausbildungstour im Rahmen einer Weiterbildung für Lawinensicherheitsverantwortliche (Bild: Lea Hartl)

Meine Erfahrung

Das wohl bekannteste Produkt des Lawinenwarndienstes am SLF ist das im Winter zweimal täglich erscheinende Lawinenbulletin. Es wird ergänzt durch diverse weitere Produkte zur aktuellen Schnee-  und Lawinensituation, wobei ich hauptsächlich bei der Erstellung der Schneekarten und Wochenberichte mitwirkte. Meine Hauptaufgabe war die Betreuung der Schadenlawinendatenbank. Dadurch war ich auch ohne unmittelbares Mitwirken bei der Herausgabe des Lawinenbulletins stets an der Quelle von Verhältnisinformationen und Lawinenmeldungen aus der gesamten Schweiz.

Besonders in den zwei aussergewöhnlichen Lawinenperioden im Januar 2018 (Warnstufe 5) war es spannend mitzuverfolgen, wie die täglichen Publikations­aufgaben trotz angespannter Lawinensituation und immensem medialem Interesse täglich gemeistert wurden. Nicht nur in diesen hektischen Zeiten, sondern auch im Alltag war ich beeindruckt vom Team und dessen harmonischer, routinierter Zusammenarbeit inklusive der nötigen Prise Humor.

Das selbständige Erstellen von detaillierten Unfalldossiers und dazugehörigen Lawinenkartierungen empfand ich inhaltlich nicht immer als «leichte Kost». Trotzdem dünkte es mich sehr interessant, beispielsweise anhand von Augenzeugenaussagen die tatsächlichen Geschehnisse am Berg zu rekonstruieren.

Eine sehr willkommene Abwechslung dazu bildeten regelmässige Feldarbeiten, wie die Erstellung von Schneeprofilen oder die systematische Kartierung von Lawinen­abgängen rund um Davos. Weitere Highlights stellten Spezialanlässe, wie Ausbildungskurse oder Medienaufträge im Gelände dar.

Meiner Meinung nach eignet sich dieses Praktikum perfekt für wintersportbegeisterte Bachelorabsolvent*innen. Man sollte weder die zuweilen etwas repetitiven Tätigkeiten noch die französische Sprache scheuen und grosse Freude und etwas Erfahrung in winterlicher Feldarbeit mitbringen. Ich hätte kaum einen spannenderen Winter für dieses Praktikum erwischen können und habe es keine Sekunde bereut, diese sechs Monate am SLF verbracht zu haben.

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Nach dem Schaufeln ist vor der Arbeit – Analyse eines Schneeprofils auf dem SLF Versuchsfeld Weissfluhjoch, 2536m (Bild: SLF)

Organisation des Praktikums

Das SLF bietet regelmässig Praktikumsstellen an, für die man sich normalerweise direkt bei der jeweiligen Forschungsgruppe bewirbt. Eine Ausnahme dazu bilden die zwei Praktikumsstellen, die jeden Winter (ca. November - Mai) vom Lawinenwarn­dienst angeboten werden. Diese werden im Frühsommer auf dem Stellenportal der WSL ausgeschrieben. 

Eine wichtige Voraussetzung für dieses Praktikum sind Vorkenntnisse in Lawinen­kunde und praktische Erfahrung im Bereich Skitouren (mindestens J&S-Leiter­anerkennung oder äquivalente Vorkenntnisse).

Gegen einen Unkostenbeitrag von 300 CHF pro Monat besteht normalerweise die Möglichkeit, ein Doppelzimmer in einer der SLF-WG's in Davos zu mieten. Eine Wintersaison lang die Wohnung mit zahlreichen Gleichgesinnten zu teilen, hat meiner Erfahrung nach stark zum Gesamterlebnis dieses spannenden Winters beigetragen.