Den Boden in tropischen Regionen aufwerten

Gesunde Böden sind der Schlüssel zur Erhaltung der Öko­system­leistungen der Landwirtschaft. Neue organische Praktiken können dabei helfen, doch dazu müssen das traditionelle Wissen und die Bedürfnisse der lokalen Bäuer:innen einbezogen werden. Das zeigten Forschende des Geo­graphischen Instituts am Beispiel von Kompost und Pflanz­enkohle im Südwesten Indiens mit einem inter­disziplinären und ganz­heitlichen Forschungsansatz.

Bodenprobe
Severin-Luca Bellè und ein Bauer in der Region Karnataka im Südwesten Indiens nehmen eine Bodenprobe.

Der Klimawandel und die immer intensivere Landwirtschaft bedrohen besonders in tropischen Regionen die Nahrungsmittelproduktion und den Lebensunterhalt von Bäuer:innen. Die Böden werden mehr und mehr ausgebeutet und können langfristig nicht genug Wasser und Nährstoffe speichern, Lebensraum für verschiedenste Organismen bieten oder diverse Ökosystemleistungen erbringen. 

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Geographischen Instituts hat nun im Bundesstaat Karnataka im Südwesten Indiens untersucht, wie die Böden am besten mit lokal verfügbarem organischem Material aufgewertet werden können. Je nach Bodenart und Kulturpflanzen können beispielsweise Kompost oder Pflanzenkohle – unter Sauerstoffausschluss zu Kohle umgewandelte Pflanzenreste – allein oder in Kombination angewendet werden. Doch diese Erkenntnisse können nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn die Bedürfnisse der lokalen Bäuer:innen einbezogen werden. Ausführliche Interviews zeigten, dass dafür vor allem eine enge, langfristige Beratung und Begleitung der Bäuer:innen zentral ist, besonders dann, wenn sich ein höherer Ertrag erst im Folgejahr einstellt. 

Massgeschneiderte Lösungen

Auch das traditionelle Wissen ist wichtig. Bauernfamilien, die seit Generationen ihre Felder nach der Ernte abbrennen, waren beispielsweise gegenüber der Verwendung von Pflanzenkohle als Düngemittel meist positiv eingestellt. «Der Einfluss von einzelnen angesehenen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft ist aber nicht zu unterschätzen», sagt Severin-Luca Bellè, Doktorand und Erstautor der Studie. 

Und die individuelle wirtschaftliche Situation spielt eine wichtige Rolle. Gerade Kleinbäuer:innen zeigten sich oft skeptisch gegenüber den neuen Praktiken. Sie können keine Ernteeinbussen riskieren. «Sie müssen mit massgeschneiderten Lösungen besonders eng begleitet werden», sagt Bellè.

Grundstein für eine nachhaltige Landwirtschaft

Um diese langfristige Begleitung sicherzustellen, arbeiten die Forschenden nun mit lokalen Partnern wie dem Indian Institute of Science zusammen. Sie selbst werden sich auf das Monitoring der Böden beschränken. Diese Studie hat erstmals die natürlichen und sozioökonomischen Aspekte von organischen Düngepraktiken ganzheitlich betrachtet und damit einen wichtigen Grundstein für einen Wandel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft gelegt.

Literatur

Bellè S-L, Riotte J, Backhaus N, Sekhar M, Jouquet P, Abiven S (2022) Tailor-made biochar systems: Interdisciplinary evaluations of ecosystem services and farmer livelihoods in tropical agro-ecosystems. PLoS ONE 17(1): e0263302.