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Geographisches Institut

Erschreckend schöne Bilder

Höhenflug, Alpenblühn und Hitzeglocke: Lernende der Fachklasse Grafik Luzern haben in einem Kooperationsprojekt mit dem Geographischen Institut Fakten und Prognosen zum Klimawandel als populär verständliche Bilder inszeniert. Am 2. November 2022 wurden sie im Lichthof des Campus Irchel präsentiert und anschliessend in den Schaukästen des Geographischen Instituts ausgestellt.

  • Ausstellung "erschreckend schöne Bilder"

    Ausstellung am Campus Irchel, Gebäude 25, Stock H (Bild: E. Welty)

  • Vernissage am 2. November 2022 (Bild: M. Seebauer)

Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler:innen vor dem Einfluss der Menschen auf das ökologische Gleichgewicht der Erde. Doch um eine ganze Gesellschaft zum Umdenken und Handeln zu bewegen, braucht es noch viel Überzeugungsarbeit. Dafür sind innovative und populäre Formate der Kommunikation gefragt.

In einem Kooperationsprojekt mit dem Geographischen Institut der Universität Zürich haben sich Lernende der Fachklasse Grafik Luzern zum Ziel gesetzt, Fakten und Prognosen zum Klimawandel plakativ zu inszenieren. Welche Botschaften lassen sich prägnant und verständlich aufbereiten? Wie können sie als Blickfang funktionieren? Entstanden sind 24 «erschreckend schöne Bilder». Am 2. November 2022 wurden sie an einer Vernissage am Campus Irchel präsentiert.

  • Höhenflug

    CO2 ist eine Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff. Ein unbrennbares, farbloses Gas. Es gehört zu den Teibhausgasen und wird bei der Erzeugung von fossiler Energie freigesetzt. Zum Beispiel im Flugverkehr. Der Flugverkehr verursacht grosse Mengen an CO2. Binnen 1990 [1] und dem Jahr 2000 [2] stiegen die CO2–Emissionen alleine in diesem Bereich um 39% [2]. die Strahlung, die sonst wieder ins All entweichen würde. Ist die Konzentration zu hoch, erwärmt sich das Klima.

  • Alpenblühn

    Alpenflora bezeichnet alle Arten von Pflanzen, die im Bereich der Alpen oberhalb der Baumgrenze vorkommen. Die O°-Grenze im Sommer ist im Zeitraum von 1960 bis 2010 um 600 m von 3000 m. ü. M. [1] auf 3600 m. ü. M. [2] angestiegen. Gebirgspflanzen migrieren darum in höhere Lagen und bewirken dort eine Zunahme der Artenvielfalt. Die Artenvielfalt der Pflanzen in der Bernina Region hat im selben Zeitraum um vier Arten pro Dekade, von 30 [3] auf 50 [4] Arten zugenommen.

  • Hitzeglocke

    Absorption bezeichnet das Aufnehmen einer Welle oder Teilchens in einen Körper [1]. Weitere Effekte sind; Streuung oder Reflexion. Aufgrund der Klimaerwährmung kommt es zu einer markanten Häufung von Hitzetagen in Städten. Zum Beispiel in der Stadt Genf von heute 15 Tagen im Jahr [2] auf 30 Tage im Jahr 2060 [3]. Durch geringe Luftzirkulation und hohe Absorption der Wärme durch die Gebäude sind Ballungsräume besonders stark betroffen. Es kommt zu Hitzestau, der sich bei anhaltender Hitze laufend intensiviert.

  • richtig verkehrt

    Der Strassenverkehr in der Schweiz generiert 98% der Treibhausgasemissionen innerhalb des gesamten Verkehrs. Der Bestand von zugelassenen Strassenmotorfahrzeugen hat im Zeitraum von 1990 [1] bis 2010 [2] von 3 Mio. auf 5.5 Mio. Fahrzeuge zugenommen. Den Löwenanteil davon machen die Personenwagen aus. Die Zulassungen der PkW [3] sind im selben Zeitraum um 1.3 Mio gestiegen, gefolgt von den Motorrädern [4] mit einer Zunahme von 0.8 Mio Fahrzeugen und dem Gütertransport [5] mit 0.4 Mio Fahrzeugen.

Spielerischer Zugang zur Faktenwelt

In einem mehrstufigen Prozess haben sich die Lernenden mit Farben, Formen, Begriffen und deren Modulation auseinandergesetzt. Die starken, sprechenden Farben fallen wohl als Erstes ins Auge. Sie nehmen Bezug auf die Themen: von Flugverkehr und Starkniederschlag bis zu Hitzestress oder Gletscherschmelze. Die klaren geometrischen Formen verleihen den Bildern gestalterische Kraft. In ihnen sind die zugrundeliegenden Fakten und Prognosen abstrahiert. In der Bildlegende werden die Zahlenwerte im Detail erläutert. Die Titel sind bekannte Begriffe aus unserem Alltag, die Bilder in unseren Köpfen erzeugen und in ihrer Mehrdeutigkeit überraschen. All diese Elemente stehen im Dialog miteinander und führen zu Spannung und Dramatik.

«Die Bilder zu entschlüsseln, hat etwas Spielerisches», sagt Tobias Klauser, Leiter der Fachklasse Grafik Luzern. «Beim Entziffern muss man eine Leistung erbringen – bis man dann den Punkt des Erkennens erreicht.» Wer einmal ein Plakat verstanden hat, kann sich der Herausforderung stellen, den Inhalt des nächsten ausschliesslich über das Bild zu verstehen. Wie ein Schlüssel, der die Dekodierung der ganzen Serie zu etwas Lustvollem macht.

Gegensätzliche Emotionen 

Die Kraft der Bilder kommt aus den gegensätzlichen Emotionen, die sie auslösen. «Man schaut sich das ästhetische Bild gerne an und öffnet sich», sagt Klauser, «doch dann realisiert man die dramatischen Fakten dahinter – und bleibt aufgewühlt zurück.»

Doch gerade in der Wissenschaft haben Emotionen üblicherweise keinen Platz. «Unser Anspruch ist immer, so sachlich wie möglich zu bleiben», sagt Andreas Vieli vom Geographischen Institut, der das Projekt begleitete. «Doch wir müssen unser Wissen aktiv in die Öffentlichkeit tragen.»

Als Transparente an der nächsten Klimademo?

«Die Plakate könnten beispielsweise an einer Klimademonstration eingesetzt werden», schlägt Vieli vor. Als Serie von 24 Bildern hätten sie das Potential, nicht nur Aufsehen zu erregen, sondern sich auch zu einer visuellen Erzählung der aktuellen Fakten und Prognosen zum Klimawandel zu verdichten.

Die Plakate sind im Anschluss an die Vernissage in den Schaukästen des Geographischen Institut Campus Irchel, Gebäude 25, Stock H ausgestellt. Wer noch mehr wissen möchte: Eine Publikation erläutert die Hintergründe, die Entstehungsgeschichte und die Funktionsweise der Plakate.

Einladung: Vernissage & Apéro, 2.11.2022

Bestellung Plakate und Publikation

Grundlage für die Arbeit waren Fakten und Prognosen zum Klimawandel in der Schweiz aus den Berichten des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, des Bundesamtes für Umwelt BAFU, sowie des National Centre for Climate Services NCCS. Forschungsarbeiten des Geographischen Instituts fliessen in verschiedener Weise in diese Berichte ein.

Schweizer Klimaszenarien CH2018
Klimawandel in der Schweiz 

Das Kooperationsprojekt zwischen der Fachklasse Grafik Luzern und dem Geographischen Institut der Universität Zürich wurde von Rafael Koch und Jiří Chmelik geleitet und von Prof. Andreas Vieli begleitet.

Die Bilder sind sogenannte «micro’coms». Mehrere, unterschiedliche grafische Grundformen verbinden sich zu einer plakativen, schematischen Darstellung. Die Form- und Farbgebung nimmt Bezug auf das Thema und den zu vermittelnden Inhalt. «micro’coms» eröffnen den Betrachtenden einen emotionalen und einen sachlichen Zugang zum Inhalt.

Unterseiten

Weiterführende Informationen

Kontakt

Geographisches Institut, UZH

Prof. Andreas Vieli
Glaciology and Geomorphodynamics 
Tel: +41 44 63 55120

E-Mail

 

Fachklasse Grafik Luzern / Noir Associates
Rafael Koch
Dozent / Art Director
Tel. +41 79 654 52 15
E-Mail

«erschreckend schöne Aussichten»

Die zweite Serie der «erschreckend schönen Bilder» inszeniert Prognosen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, «Weltklimarat»)

Vernissage, 2.11.2022

Publikation: Entstehungsgeschichte, Hintergründe, Einordnungen