Toporobot

Computergestützte Auswertung der Höhlenvermessung

Daniel Gebauer


Toporobot ist ein in der Schweiz entwickeltes Computerprogramm zur Auswertung von Höhlenvermessungsdaten. Es erleichtert die Arbeit bei der Planerstellung wesentlich und bietet Darstellungsmöglichkeiten, die ohne EDV-Unterstützung undenkbar wären.

Daneben ist Toporobot auch eine vereinheitlichte Vermessungsnotation, welche sowohl die automatisierte Auswertung ermöglicht, als auch das praktische Vorgehen in der Höhle vereinfacht. Die Toporobot-Methode bewährt sich seit Jahren auf zahlreichen Expeditionen und ist inzwischen weitverbreitet.

Martin Heller, Dozent für Geoinformatik an der Uni Zürich, begann bereits vor zwanzig Jahren mit der Entwicklung einer Software zur Verarbeitung von Vermessungsdaten. Im Laufe der Zeit entstand ein umfassendes Programm, mit komplexen Methoden zur Berechnung der Koordinaten, zur Fehlerkontrolle und zur Visualisierung. Bis vor wenigen Jahren liessen sich die Daten aber nur mit grösseren EDV-Systemen verarbeiten, wie sie beispielsweise an Universitäten oder Forschungsinstituten zur Verfügung standen. Dadurch war das Programm nur einem kleinen Kreis von Höhlenforschern zugänglich.

Dies hat sich inzwischen geändert und Toporobot kann auf jedem Apple Macintosh Computer installiert werden. Für diese Umstellung wurde das Programm völlig neu geschrieben und so konzipiert, dass es nicht nur von geübten Computerspezialisten, sondern wie ein typisches Macintosh Programm von allen Interessierten genutzt werden kann. Eine elegante Benützeroberfläche umhüllt nun all die ausgefeilten Methoden, die Toporobot zum einzigartigen Werkzeug machen. Der Entwicklungs-prozess ist noch immer im Gang, aber unterdessen wurde ein Stand erreicht, der es erlaubt, das Programm allgemein zugänglich zu machen.

Um eine gute Verbreitung des nicht-kommerziellen Programmes zu ermöglichen, formierten sich 1991 die bisherigen Benützer zu einer Interessen-gemeinschaft, der Toporobot Users Group (TUG). Diese locker strukturierte, internationale Vereinigung übernimmt den Vertrieb des Programmes. Jedes Mitglied erhält laufend die neuesten Versionen der Software und der Dokumentation. Der Jahresbeitrag beträgt DM. 40.0 (SFr 30.0) und soll die Unkosten (Disketten, Versand, Druck) decken. Als Benützergruppe setzt die TUG auf die Initiative jedes einzelnen. Nur so ist eine gegenseitige Unterstützung der Mitglieder möglich, nur so kann das Programm langfristig weiterentwickelt, die Vermessungsnotation verfeinert, ein Standard zum Datenaustausch erarbeitet und ein gemeinsames Datenarchiv unterhalten werden. Die bisherigen Erfahrungen der zweijährigen Aufbauphase sind sehr ermutigend. Schon jetzt engagieren sich viele Personen, testen das Programm, bestimmen durch ihre Hinweise die Entwicklung, klären technische Probleme ihrer Kollegen, übersetzen das Programm auf deutsch, französisch, englisch, italienisch und spanisch, helfen beim Schreiben des Handbuches, verfassen Daten-konversions-programme, erfassen, koordinieren und archivieren Daten, manche direkt im Karst von Mexiko, Neu Guinea, China. Und vor allem zeichnen sie vorbildliche Höhlenpläne, zwar nun computer-assistiert, aber natürlich immer noch selbst gestaltet.


Kontaktadressen

Interessierte Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher erhalten bei folgenden Personen weitere Auskünfte:

Schweiz und Internationales Sekretariat:

André Jordi, Rathausgasse 28, CH-3280 Murten, Tel. 037/ 72 22 59

Bundesrepublik Deutschland:

H. Daniel Gebauer, Marktplatz 32, D-73525 Schwäbisch Gmünd, Tel. 07171/2273.


14-July-93 / heller