GEO 422: Forschungsarbeiten 2008/2009
Im WS 2008 und FS 2009 entstanden die folgenden Arbeiten:
- Annahmen in und zwischen Gruppen von Jugendlichen (Manuel Bamert, Rahel Nüssli, Jacqueline Schweizer, Mirjam Stähli)
- Deutsche Studierende in Zürich und das Bild der Schweizer/-innen von den Deutschen (Serdar Oenel, Martina Monigatti)
- Sprachwahl als Ausdruck der Identität - Themen- und GesprächspartnerInnenabhängigkeit von Secondos und Secondas in der Schweiz (Michael Graf, Alice Trachsel und Doris Waldburger)
- Integration von Kindern mit Migrationshintergrund - Eine qualitative Analyse im Kindergarten (Franziska Büeler, Basil Gantenbein, Jörg Strehler)
- Die Bedeutung des Integrationsbegriffs aus der Perspektive der Schweizer und der ausländischen Bevölkerung am Beispiel des SRK Projektes „mitten unter uns“ (Eric Rahn, Pierrine Schmid, Peter Staub)
Annahmen in und zwischen Gruppen von Jugendlichen
Autorinnen: Manuel Bamert, Rahel Nüssli, Jacqueline Schweizer, Mirjam Stähli
Fragestellung
Welche Annahmen bestehen innerhalb und zwischen Gruppen von Jugendlichen, die zusammen die Schule besuchen?
Methoden
Die Fragestellung wurde mit zwei Gruppendiskussionen und zwei episodischen Interviews untersucht. An den Gruppendiskussionen nahmen jeweils drei Jugendliche teil, die sich als Gruppe oder Teil einer Gruppe verstanden. Die episodischen Interviews wurden je mit zwei einzelnen Jugendlichen durchgeführt. Alle acht Jugendlichen besuchten die selbe Drittoberstufenklasse.
Ausgewählte Resultate
Zur Beantwortung der Fragestellung konnten die Argumentationsstränge in fünf Blöcke unterteilt werden: Zeit, Raum, Konflikt, Herkunft und Gruppe, wobei vor allem die drei letzteren zu wertvollen Aussagen führten. Erstaunlicherweise spielte die Herkunft für die Gruppenbildung keine Rolle und führt auch nicht direkt zu Annahmen. Die Erziehung spielt jedoch eine Rolle und so wird der unterschiedliche kulturelle Hintergrund der einzelnen Jugendlichen dennoch wahrgenommen, scheint sich jedoch nicht auf die Beurteilung anderer auszuwirken. Ein wichtiges Abgrenzungskriterium stellt die (selbsterklärte) Reife dar. Dadurch manifestiert sich für die Jugendlichen ein deutlicher Unterschied zu „den Anderen“.
Wichtigste Lessons learned
In Bezug auf nutzbare Resultate haben sich die Gruppendiskussionen eindeutig als wertvoller erwiesen als die Einzelgespräche. In den Gruppen ergaben sich spannende Auseinandersetzungen und angeregte Diskussion, währenddem die Einzelgespräche meist kurze Antworten lieferten. Wir lernten auch, wie schwierig es ist, ein Interview zu führen. Schliesslich fanden wir es interessant die computergestützte Auswertung kennen zu lernen.
Deutsche Studierende in Zürich und das Bild der Schweizer/-innen von den Deutschen
AutorInnen: Serdar Oenel, Martina Monigatti
Fragestellung
Wie erfahren deutsche Studierende an der Universität oder ETH Zürich die Haltung der Schweizer/-innen ihnen gegenüber?
Wie äussert sich diese Haltung; wie beeinflusst sie die deutschen Studierenden?
Methoden
Die Daten wurden mittels teilstrukturierter Leitfadeninterviews erhoben, wobei es sich um episodische Interviews handelte. Des Weiteren wurde ein Filmausschnitt als erzählgenerierender Stimulus eingesetzt.
Bei den Interviewten handelte es sich um Erasmus-Studierende, die seit Herbstsemester 2008 in Zürich studierten.
Die Auswertung erfolgte gemäss dem interpretativ-kategorisierenden Verfahren der Grounded Theory, wobei eine erweiterte Form des Kodierparadigmas zur Anwendung kam.
Ausgewählte Resultate
Die deutschen Studierenden nahmen die Haltung der Schweizer/-innen als eher negativ wahr, wobei der direkte Kontakt nicht sehr ausgeprägt war.
Die Äusserungen der Interviewten bezogen sich auf die Wahrnehmung einer allgemeinen, stereotypischen Haltung seitens der Schweizer/-innen einerseits und einer individuellen, durch Erfahrung im Alltag gewonnenen Ansicht andererseits.
Die wahrgenommene Haltung der Schweizer/-innen beeinflusste die deutschen Studierenden unter anderem in dem Bild, welches sie über die Deutschen im allgemeinen haben; sie führte zu einer intensiveren Beschäftigung mit ihrem Deutsch-Sein, als das in Deutschland der Fall war.
Der Umgang mit den negativ wahrgenommenen Komponenten in der schweizerischen Haltung führte teilweise zu rechtfertigenden Äusserungen.
Wichtigste Lessons learned
Vom Einsatz allzu schockierender Filmstimuli raten wir aus ethischen Gründen ab.
Die eigene Rolle als Schweizer bzw. Schweizerin beim Interviewen von deutschen Personen bezüglich einer solchen Thematik bedarf einer eingehenden Reflexion, da sie zu Zurückhaltung im Beschreiben negativer Erfahrungen mit Schweizer/-innen führen kann.
Die Erfahrung zeigt, dass Methoden erst durch ihre Anwendung gelernt werden. Go for it.
Sprachwahl als Ausdruck der Identität - Themen- und GesprächspartnerInnenabhängigkeit von Secondos und Secondas in der Schweiz
AutorInnen: Michael Graf, Alice Trachsel und Doris Waldburger
Fragestellung
Wie äussert sich die Identität italienischsprachiger Secondos und Secondas in der Deutschschweiz in ihrer Sprachwahl und inwiefern ist diese Sprachwahl abhängig vom Gesprächsthema und GesprächspartnerInnen? Inwiefern äussert sich die persönliche Identität der/des Befragten in der Sprachanwendung?
Methoden
Zur Beantwortung der Fragestellung wurden drei qualitative Interviews anhand eines Leitfadens durchgeführt. Dabei ging es darum, wichtige aus der Literatur erkannte Themenbereiche anzusprechen und diese zu vertiefen. Als ergänzende Methode wurde die Fotoelizitation verwendet, bei der anhand von Fotos ein Stimulus gesetzt wird, welcher von den Interviewten in ihre eigene Sichtweise übertragen wird. Anschliessend wurden die Interviews codiert und inhaltlich ausgewertet.
Ausgewählte Resultate
Die Frage nach der nationalen Identität der Secondos und Secondas lässt sich nicht eindeutig nur zu einer Nation hin beantworten. So wurde erkannt, dass die italienisch- stammigen Befragten sich je nach Situation eher als SchweizerInnen oder eher als ItalienerInnen fühlten. Was aber als viel wichtiger und prägender erkannt wird, ist das Gegenüber. Sobald in einer Gruppe eine Person nicht beide Sprachen fliessend beherrscht, wird die Sprachwahl ans allgemeine Verständnis angepasst.
Ein weiterer Aspekt ist derjenige der Sprachmischung. Diese spezielle Form von Sprachanwendung der Secondos und Secondas zeichnet sich durch das Vermischen von beiden Sprachen in ein und demselben Satz aus. Dies wird meist nicht bewusst gemacht und deutet auf die geteilte Identität der Befragten hin.
Diese Forschung beschränkt sich auf den Identitätsfaktor der nationalen Zugehörigkeit. Inwiefern dieser Aspekt ergänzt wird durch weitere Merkmale der Identität wurde in dieser Forschungsarbeit nicht untersucht. Auch der Einfluss von Klischees wurde zwar erkannt, als solchen aber nicht weiter verfolgt.
Wichtigste Lessons learned
In dieser Forschungsarbeit haben wir uns intensiv mit qualitativer Forschung beschäftigt. Oft ist es uns schwer gefallen, den Unterschied der methodischen Ansätze zu erkennen, was sich im Interviewleitfaden, wie auch bei der Auswertung als zentral herausstellte. Daneben sind wir mit der Schwierigkeiten beim Finden geeigneter und gewillter InterviewpartnerInnen konfrontiert worden.
Integration von Kindern mit Migrationshintergrund - Eine qualitative Analyse im Kindergarten
AutorInnen: Franziska Büeler, Basil Gantenbein, Jörg Strehler
Fragestellung
Was trägt zu einer gelungenen Integration von Kindern mit Migrationshintergrund im Kindergarten bei? Welche Faktoren beeinflussen die Integration dieser Kinder? Was kann der Kindergarten zu einer gelingenden Integration beitragen?
Methoden
Zur Erforschung der Fragestellung wurden drei je einstündige Expertinneninterviews mit Kindergärtnerinnen in Wald ZH durchgeführt. Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in den Klassen lag zwischen 35-85 %. Als ergänzende Methode entschieden wir uns für eine Netzwerkanalyse, mittels der die sozialen Beziehungen der Kinder innerhalb einer Klasse abgebildet werden konnten.
Ausgewählte Resultate
Von Seiten des Kindes hat sich gezeigt, dass der Beherrschung der Lokalsprache eine dominierende Rolle zukommt. Für eine gelungene Integration der Kinder mit Migrationshintergrund ist das Sprechen des schweizerdeutschen Dialekts oder der deutschen Sprache oft Grundvoraussetzung um in eine Interaktion mit den anderen Kindern zu treten. Als zusätzliche Faktoren identifizierten wir u.a. die Familiensituation und das allgemeine Wesen des Kindes. Von Seiten des Kindergartens haben sich spezifische Sprachförderung, das Angebot von Spielgruppen sowie eine gezielte Vernetzung der Eltern als vielversprechend erwiesen.
Wichtigste Lessons learned
Als sehr nützlich hat sich die Vertiefung der Materie im Vorfeld mittels Literaturrecherche gezeigt. Der durchgeführte Pretest hat sich ebenfalls sehr bewährt. Die einstündigen Expertinneninterviews erwiesen sich als etwas lang. Nach einer halben Stunde Interview waren gewisse Ermüdungen auf beiden Seiten erkennbar und die Informationsdichte / Themenrelevanz der Gespräche nahm ab. In der Auswertung stellte es sich heraus, dass die erhaltenen Informationen z.T. sehr bruchstückhaft waren. Ein iteratives Forschungsdesign mit einem mehrmaligen Interview-Auswertungs-Zyklus hätte sicherlich umfassendere Forschungsergebnisse erlaubt.
Die Bedeutung des Integrationsbegriffs aus der Perspektive der Schweizer und der ausländischen Bevölkerung am Beispiel des SRK Projektes „mitten unter uns“
AutorInnen: Eric Rahn, Pierrine Schmid, Peter Staub
