Further Research Projects
Nutzungsanalyse Hardaupark. Eine sozialgeographische Studie im Auftrag der Stadt Zürich
(Heidi Kaspar: Juni 2011 bis November 2013)
Das Quartier Hardau galt lange als Durchgangsquartier, in welchem MigrantInnen eine erste Wohnung fanden, jedoch bald wieder weiterzogen. Die Fluktuation hat inzwischen abgenommen, der AusländerInnenanteil ist im städtischen Vergleich nach wie vor überdurchschnittlich. Die Lebensqualität ist durch die hohe Verkehrs- und Lärmbelastung sowie bauliche Dichte und dem Mangel an öffentlichen Frei- und Grünräumen empfindlich eingeschränkt. Die Stadt hat aufgrund dieser Situation im Rahmen des Legislaturschwerpunkts «Lebensqualität in allen Quartieren» zahlreiche bauliche sowie sozio-kulturelle Massnahmen initiiert. Diese Bemühungen werden bis dato fortgesetzt. Neben Verkehrsberuhigung, Verbesserung der Quartierinfrastruktur (z.B. durch den Bau des Oberstufenschulhauses Albisriedenplatz), Sanierung von Wohnungen und Umgestaltung des Wohnumfeldes gehört auch die Erstellung einer neuen Parkanlage – des Hardauparks – dazu.
Trotz der oben erwähnten Aufwertungsmassnahmen sind öffentliche Grünräume im Quartier nach wie vor rar, weswegen dem Hardaupark grosse gesellschaftliche Bedeutung zukommt. Die Studie soll deswegen mittels Beobachtungen, Interviews und ExpertInnen-Gesprächen die Nutzung des Parks in den ersten Monaten seines Bestehens begleiten sowie die Zufriedenheit der QuatierbewohnerInnen mit dem neuen Freiraum untersuchen. Ausgehend vom Forschungsbericht «Sozial nachhaltige Parkanlagen» (Bühler et al. 2010), gilt die Aufmerksamkeit folgenden drei zentralen Kriterien sozial nachhaltiger Entwicklung: der Vielfalt an Nutzungen und NutzerInnen – als Manifestation der sozialen Gerechtigkeit im Zugang zum öffentlichen Raum, dem emotionalen Bezug, insbesondere Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Sicherheitsgefühl sowie der allgemeinen Zufriedenheit mit der Infrastruktur und der Gestaltung des Parks – entspricht das Angebot dem Bedürfnis der Anspruchsgruppen in funktionaler sowie ästhetischer Hinsicht?
Creative Politics
(Funding: DFG; with Pascal Goeke and Peter Lindner)
In der Diskussion um die zukünftige Entwicklung von Städten zeichnet sich seit mehreren Jahren ein Leitbild ab, das auf Kreativität als eine der wichtigsten zu mobilisierenden Ressourcen abzielt. Beflügelt von den Arbeiten des US-amerikanischen Stadtplaners Richard Florida zur „Kreativen Klasse“ und der Betonung des Wertetriplets „Talent, Tolerance and Technology“ kommt es auch in Deutschland zu einer Neuausrichtung der städtischen Förderprogrammatik. Das gegenwärtig sichtbarste Zeichen dieser Neuorientierung sind die zahlreichen Kultur- oder Kreativwirtschaftsberichte, die im Auftrag von Städten entstehen und eine wichtige Legitimation für politisches Handeln bieten. Das zentrale Argument lautet, dass wirtschaftlicher Erfolg immer stärker von Kreativität abhängt. Diese These bezieht sich nicht auf ökonomische Innovationsfähigkeit im engeren Sinn, sondern stellt auf die Stadtgesellschaft als Ganzes ab und betont vor allem die Bedeutung einer lebendigen Kunst- und (Sub?)Kulturszene für wirtschaftliche Prosperität. In der Konsequenz geraten bislang relativ autonome Teilbereiche der Gesellschaft (z.B. Künste, Literatur) in einen neuerlichen Verwertungssog. Diese Dynamik wird von verschiedenen Seiten normativ kritisiert und als neoliberal qualifiziert. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass zentrale Entwicklungen noch weitgehend unverstanden sind oder nur reflexhaft aufgegriffen werden. Dieses Defizit aufgreifend, widmet sich das beantragte Forschungsprojekt der Emergenz, Funktionsweise, Ausdifferenzierung und Wirkung eines politischen Feldes, das wir als Kreativpolitik bezeichnen.
Die Stadtteilbotschafter – Strukturen der nächsten Gesellschaft?
(Pascal Goeke, 2008-2010)
Den Massenmedien ist regelmäßig zu entnehmen, dass bekannte Organisationen und Vereine große Schwierigkeiten beim Erreichen ihrer Ziele haben. Insbesondere Gruppen und Organisationen, die auf ehrenamtliche, längerfristige und gemeinschaftliche Mitarbeit angewiesen sind, leiden unter sinkendem Einsatz ihrer Mitglieder und Mitgliederschwund. Die Folgen dieser Entwicklung werden der Öffentlichkeit meist erst dann bewusst, wenn zuvor unentgeltliche Arbeiten nicht mehr vollbracht werden. Von dieser Beobachtung auf einen allgemeinen sozialen Verfall zu schließen und das Schreckensbild einer egoistischen Gesellschaft zu malen, ist aber falsch. Denn während altbekannte Organisationen und Vereine mit den Veränderungen kämpfen, entstehen neue Formen des bürgerschaftlichen Engagements. Aufgeschlossene und tatkräftige Bürger, die einen persönlichen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen, gibt es noch immer und in nahezu allen Bevölkerungsgruppen. Jenseits der bekannten Wege testen sie aus, wie die nächste Gesellschaft gestaltet werden kann. Die Initiativen in Bereichen wie Alten- und Jugendarbeit, Sport oder Stadtplanung sind allerdings mit Begriffen wie Bürgerpartizipation oder Ehrenamt nur schwer zu fassen. Allerdings ist deutlich zu erkennen, dass sich die Verschiebungen an den Grenzen zwischen Selbstlosigkeit und Eigennutz, zwischen Kollektivismus und Individualität sowie zwischen festen Organisationsformen und flexiblen Netzwerken abspielen.
Die von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft geförderten Stadtteilbotschafter sind eine Initiative, an der dieser Wandel gut zu beobachten ist. Aufgeschlossene Menschen können hier neue Arbeitsformen testen und werden zugleich mit etablierten ›Spielern‹ wie etwa Verwaltungen, Vereinen oder Parteien in Verbindung gesetzt. Bei den Stadtteilbotschaftern gelingt es offensichtlich gut, die Interessen der Mitglieder mit den Interessen des Projektes in Einklang zu bringen. Junge Menschen zwischen 17 und 27 Jahren wird in dem Projekt die Möglichkeit gegeben, eine eigene, dem Wohl der Zivilgesellschaft dienende Idee zu entwickeln und umzusetzen. Projektbeschreibung Stadtteilbotschafter Die neue Form der Projektarbeit und ihr Beitrag zur Stadtgesellschaft machen die Stadtteilbotschafter für die Wissenschaft interessant. Herausgearbeitet werden soll, ob und wenn ja wie eine andere Form der Gesellschaft entsteht. Diese Leitfrage orientiert sich an Dirk Baeckers Thesen vom Übergang der funktional differenzierten Gesellschaft zu einer Netzwerkgesellschaft. Die Evaluation wird sich besonders auf die Projektentwicklung und dynamik richten, die Persönlichkeitsentwicklung der Stadtteilbotschafterinnen und -botschafter untersuchen sowie die Außenwirkung beachten.
Nachhaltiges Entwerfen, Bewirtschaften und Aneignen städtischer Parkanlagen
(Förderung: SNF: NFP 54; Elisabeth Bühler, Heidi Kaspar, Frank Ostermann, Sabine Timpf)
Öffentlichen Parkanlagen wird zu Recht ein hohes soziales Nachhaltigkeitspotenzial zugeschrieben. Als naturnahe Grün- und Freiräume leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in urbanen Siedlungsräumen. Als öffentliche Räume sind sie in heutigen demokratischen Gesellschaften grundsätzlich für alle zugänglich und weisen dadurch ein hohes soziales Integrationspotenzial auf. Die normative Richtlinie allgemeiner Zugänglichkeit bedeutet allerdings nicht, dass de facto keine Ausgrenzungsprozesse in öffentlichen Grünräumen stattfinden. Dieses Projekt untersucht, wie Stadtzürcher Quartierparks von Besucherinnen und Besuchern genutzt und wahrgenommen werden und fragt nach gesellschaftlichen Ein- und Ausschlussprozessen. Die Ergebnisse zeigen auf, inwiefern dem Ziel sozialer Nachhaltigkeit Rechnung getragen wird und wo sich Verbesserungsmöglichkeiten eröffnen.
Forschungsdatenbank Universität Zürich
Forschungsbericht (pdf (PDF, 101 Kb)) (erscheint im 3. Quartal 2010)
Planungsempfehlungen zur geschlechtssensiblen Gestaltung öffentlicher Parkanlagen
(Förderung: Grün Stadt Zürich und Lares; Elisabeth Bühler & Gudrun Hoppe, Zürich)
Dieses Projekt hat zum Ziel, in den Projektierungsarbeiten für den geplanten Pfingstweidpark in der Stadt Zürich den Prinzipien des Gender Mainstreaming Nachachtung zu verschaffen. Zu diesem werden Richtlinien zur geschlechtssensiblen Gestaltung öffentlicher Parkanlagen ausgearbeitet, die Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe bilden. Die Umsetzung dieser Richtlinien (PDF, 130 Kb) in den eingereichten Projekten wird evaluiert und es werden Empfehlung zu Handen der Jury formuliert.
